Kreditfinanzierung & Basel II

Kreditfinanzierungen von Unternehmungen und die Auswirkungen des Basel II Abkommens

In den Medien werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Basel II Konventionen für die Ratingstrukturen der Banken eingehend diskutiert und häufig vergessen, dass das Rating durch Basel II nicht erfunden wurde, sondern schon immer Bestandteil der Kreditentscheidungsfindung und Bewertung von Kunden bei den Kreditinstituten war.

Obwohl in den überarbeiteten Konsultationspapieren geplant war, die im Rahmen des Basel II Abkommens definierten Vorgaben erst später umzusetzen, werden diese intern heute schon bei Kreditgewährungen und Mandantenanalyse eingesetzt.

Um die Konsequenzen von Basel II im Detail zu verstehen, werden nachstehend grob die dahinter stehenden Konsequenzen erläutert. Die Kreditinstitute müssen zur Abfederung von Kredit-, Markt- und Liquiditäts- und anderen Risiken angemessenes Eigenkapital bei Kreditgewährungen vorhalten. Die angemessene Eigenkapitalausstattung muss durch eine wirksame Bankenaufsicht überprüft werden.

Die Banken müssen der Öffentlichkeit gegenüber angemessen über die Anwendung der entsprechenden Eigenkapitalsituation, der Kapitalstruktur sowie der eingegangenen Risiken berichten. Um die gesamte Konzeption zu verstehen, ist das Problem Basel II auf den einfachen Sachverhalt zu reduzieren, dass die Banken Gelder, die sie an Kunden ausleihen, am Interbankenmarkt einkaufen müssen und dort entsprechende Konditionen zu entrichten haben.

Wird das einkaufende Kreditinstitut am Interbankenmarkt mit einem schlechten Rating belegt, weil es hohe Kreditausfälle hatte, so muss es sich in der Kapitalrefinanzierung mit schlechten Konditionen am Kapitalmarkt abfinden.

Hat das refinanzierende Kreditinstitut ein gutes Rating, so kann es sich die entsprechenden Geldmittel zu günstigeren Konditionen am Kapitalmarkt besorgen.

Genau diese Systematik wird in der Konsequenz bei der Beurteilung der Kreditengagements weiter gegeben, in dem die Situation des Kreditkunden seitens der finanzierenden Bank ab-geschätzt wird. Der an den Kunden abgegebene Zinssatz ermittelt sich aus Refinanzierungs-kosten oder sogenannten Opportunitätskosten, zuzüglich der Standardstückkosten sowie der Risikokosten. Um die Detaileinflussfaktoren zu erläutern, möchte ich nachstehend die Begriffe definieren.

Die Refinanzierungskosten oder Opportunitätskosten ergeben sich aus der entgangenen Verzinsung aus einer alternativen risikolosen Investition, die entsprechend verglichen werden muss.

Die Standardstückkosten ergeben sich aus den entsprechenden Aufwendungen die entstehen, um den Kredit gegenüber dem Kunden gewähren zu können. Wird für die Entscheidungsfindung der Kreditgewährung ein höherer Aufwand bei den Kreditinstituten erforderlich, so dass auf verschiedenen Kompetenzebenen Entscheidungsfindungen notwendig sind, erhöhen sich die Standardstückkosten, da bis zur Vergabe des Kredites erhöhte Aufwendungen erforderlich sind.

Die Eigenkapitalkosten ergeben sich aus der Vorhaltesumme an Eigenkapital für die Kreditgewährungen. Bisher wurden Kreditrisiken pauschal mit Eigenkapitalquoten unterlegt. In der Zukunft müssen die durch das Rating ermittelten Auswahlwahrscheinlichkeiten auch für die Eigenkapitalstruktur verwendet werden, so dass sich völlig neue Berechungs-modifikationen ergeben werden.

In Zukunft werden als Sicherheiten für die Eigenkapitalunterlegung nur Bareinlagen, verzinsliche Wertpapiere, Investmentfonds, Aktien bzw. in geringerem Umfang die Grundpfandrechte anerkannt werden. Sicherungsübereignungen oder Sicherungsab-tretungen werden im Normalfall generell nicht anerkannt.

Damit ergeben sich bei den entsprechenden Kreditgewährungen völlig neue Vorgaben, da nur die absolut werthaltigen Sicherheiten als Unterlegung des Kredites ausreichen werden.

Zusätzlich zu den harten Zahlenfakten finden noch wesentlich weitere Faktoren Einfluss auf das Ratung des Kunden. Da diese weichen Faktoren nicht fix definiert werden können, werden auch nach Einführung des Basel II Ratingverfahrens in der Zukunft bei unterschied-lichen Kreditinstituten unterschiedliche Zinskonditionen entstehen.

Konsequenz der Struktur wird sein, dass Kredite mit guter Risikoeinschätzung mit sehr niedrigen Preisen abgegeben werden, Kredite mit schlechten Risikoeinstufungen werden höhere Preise ergeben und Kredite mit schlechten Risikoklassen werden zwangsläufig gekündigt werden müssen oder die Unternehmung muss um die Kündigung zu verhindern, Eigenkapital zuführen. Das heißt in der wirtschaftlichen Konsequenz, dass Unternehmungen mit einem schlechten Rating in der Zukunft keine Bankkredite mehr erhalten werden.

Problematisch stellt sich der Vorgang der Ratingstrukturen deshalb dar, da ein Großteil der mittelständischen Unternehmungen an einer sehr maroden Eigenkapitalausstattung leidet und relativ hoch verschuldet ist.

Da aus Innenfinanzierung eine entsprechende Minderung der Verschuldungsquotienten nicht kurzfristig darstellbar ist, ist die logische Konsequenz, dass bei mangelnden dinglichen Sicherheiten, wie vorab angedeutet, das Unternehmen zwangsläufig Kredite beanspruchen muss, die dann nach den Ratingvorgaben höher bepreist werden. D.h., die Kredite werden sich in einzelnen Sachverhalten wesentlich verteuern, wenn sie nicht schon durch ent-sprechende schlechte Risikoeinstufungen seitens der Kreditinstitute gekündigt werden müssen.

Die Kreditinstitute wenden die entsprechenden Vorgaben teilweise heute schon an, so dass nicht erst ab 2005 von einem härteren Markt ausgegangen werden muss, sondern bereits schon jetzt.

Um in den Genuss einer besseren Ratingstruktur zu kommen, muss neben den harten Fakten der Zahlen ein Maßnahmenpaket geschnürt werden, um die entsprechende interne Beurteilung beim Kredit-institut zu verbessern.

Die Bilanzpolitik muss gegenüber den Banken offen gelegt werden. Im Falle von schlechten Betriebsergebnissen müssen Kontrollmechanismen eingesetzt werden, um die Ertrags-situation zu verbessern.

Gegebenenfalls sind bei schlechten Marktvorgaben kurzfristig Produktalternativen zu prüfen. Um jungen neuen innovativen Unternehmungen, die betriebswirtschaftlich gut aufgestellt sind und ein entsprechendes Konzept für ihr Produkt am Markt entwickelt haben, müssen in der Zukunft alternative Eigenkapitalbeschaffungsformen eruiert werden. In Amerika hat sich in diesem Umfeld die Beschaffung von Kapital über Venturekapitalgesellschaften oder über private Kapitalgeber etabliert.

Traurigerweise werden heute schon die entsprechenden härteren Faktoren dazu verwandt, in der Krise befindliche Unternehmungen nicht mehr weiter zu finanzieren, obwohl die Anspruchsvoraussetzungen für die Einleitung eines Insolvenzverfahrens nach der neuen Insolvenzordnung noch lange nicht gegeben sind. Aus Sicht der Banken ist diese Vor-gehensweise nachvollziehbar, da durch die Konsequenz der Refinanzierungskosten das Kreditinstitut ebenfalls betriebswirtschaftlich kalkulieren muss und bei schlechten Einkaufs-konditionen zwangsläufig diese an den Endkunden weitergeben muss.

Die Entwicklung der Basel II Konventionen wird die volkswirtschaftlichen Strukturen und betriebswirtschaftlichen Vorgänge in den Unternehmungen drastisch verändern, wobei in der Zukunft innerhalb der nächsten 2 – 3 Jahre meines Erachtens eine völlige Neudefinition der Vorgaben geboten ist.

Kurzfristig wird die Basel II Struktur zu einer Marktbereinigung führen, die dann nach Auslauf der entscheidenden Maßnahmen wieder zu einer Neudefinition des Bankenmarkts führen muss, da die dann verbleibenden mittelständischen Unternehmungen wieder mit wesentlich mehr weichen Faktoren am nationalen und internationalen Bankenmarkt eingeordnet werden. Traurig ist die Entwicklung sicherlich für die Unternehmen, die jahrelang versucht haben, ihre wirtschaftliche Situation zu etablieren und nun durch ein Abprüfraster nach neuen Vorgaben hindurchfallen und keine weiteren Kreditgewährungen seitens der Banken mehr erhalten.